Geschichte

Autonomie mit Vorzeigecharakter

Seit der Römerzeit führen die bedeutendsten Handelsrouten Italiens über den Brenner. Zahlreiche Burgen wurden an Bergkuppen von größtenteils korrupten Rittern angelegt. Sie wollten die Handelsleute auf ihrem Weg abfangen und "Gebühren" kassieren. Rund 400 Burgen und Schlösser geben davon ein eindrucksvolles Zeugnis.

In der jüngeren Geschichte des Landes Südtirol spiegelt sich die ganze Dramatik des 20. Jahrhunderts wider. Der Erste Weltkrieg mit seinen "Friedensverträgen", mit denen zahlreiche Minderheitenprobleme geschaffen und verschärft wurden. Das fast hundertprozentig deutschsprachige Südtirol, das seit mehr als fünf Jahrhunderten zu Österreich gehört hatte, wurde zu italienischem Staatsgebiet - mit der Grenze am Brenner. Es folgte der Nationalsozialismus und schließlich am Ende einer ersten Phase das Hitler-Mussolini-Abkommen aus dem Jahre 1939. Viele Südtiroler trafen damals die Wahl (Option) und verließen das Land.

Dann der Zweite Weltkrieg - mit Italien erst auf der einen, dann auf der anderen Seite - und die entsprechenden Auswirkungen auf Südtirol. Nach Kriegsende kam es nach langen politischen  Verhandlungen schließlich im September 1946 zu einem Autonomieabkommen zwischen Österreich und Italien. Österreich wurde der offizielle Status "Schutzmacht Südtirols" zugestanden und Italien gewährte Südtirol eine "Autonomie", die sich jedoch in Folge als zahnlos erwies. So kam es Ende der fünfziger Jahre zur Verschärfung der Lage in Südtirol - mit der Forderung nach Selbstbestimmung und dann nach einer wirklichen Autonomie.

Österreich brachte schließlich die "Südtirol-Frage" vor die UNO. Nach jahrzehntelangen Verhandlungen erfolgte 1992 endlich die offizielle Beilegung des Streits zwischen Österreich und Italien mit einer Autonomie, die nach wie vor Modellcharakter hat.